Arends: "Das Maß wieder finden"
Artikel der Grafschafter Nachrichten vom 25.03.2002
Die Sanierung der Finanzen ist für den hauptamtlichen Bürgermeister der Samtgemeinde Neuenhaus oberstes Gebot. Johann Arends: "Man muss das richtige Maß wieder finden."
Von Manfred Münchow / Neuenhaus. Die Schuldenlast von Stadt und Samtgemeinde Neuenhaus drückt Johann Arends und bestimmt auch sein Handeln. Sparen ist angesagt. Unumwunden sagt der neue Mann im Rathaus auch: "In Neuenhaus hat man über die Verhältnisse gelebt."
Nach Informationsbesuchen in Nachbargemeinde hat es auch bereits erste Veränderungen gegeben. Die Verwaltung ist um zwei Stellen verkleinert worden, beim Bauhof sind die Personalkosten nach Ansicht von Arends immer noch zu hoch. Dazu drücken ihn hohe Ausgaben für den Kunstverein. Durch den Verkauf von Liegenschaften und Immobilien soll ein kleiner Teil des 24 Millionen Mark großen Schuldenberges abgetragen werden.
Beim großen Thema Umgehungsstraße und dem dadurch möglichen Rückbau der Innenstadt sagt Arends in aller Deutlichkeit: "Eine Vergoldung der Innenstadt wird es nicht geben." Gleichwohl sollen einige Maßnahmen für die Entwicklung der Innenstadt in Angriff genommen werden.
Ohne den Namen des früheren Verwaltungschefs zu nennen, formuliert Arends beim Thema Umgestaltung der Innenstadt deutliche Kritik: "Man ist einer Fata Morgana nachgejagt." Nach Ansicht des neuen Verwaltungschefs hätte man der Öffentlichkeit viel früher deutlich machen müssen, dass "der große Wurf" für die Stadt gar nicht zu finanzieren ist. Dazu kommt, dass die Veldhauser Straße und das Stück der Hauptstraße von der Kreuzung in der Ortsmitte bis zum Ortsausgang in Richtung Uelsen überörtliche Straßen sind, die nach Darstellung von Arends zum derzeitigen Zeitpunkt noch gar nicht rückgebaut werden dürfen.
Bei aller Notwendigkeit zum eisernen Sparen will der neue hauptamtliche Bürgermeister jedoch auch nicht in das Gegenteil verfallen und zum reinen Sparkommissar werden. "Es muss sich auch weiter entwickeln", sagt Arends nach den ersten Monaten auf seinem neuen Sessel im Rathaus in Neuenhaus. Der frühere Geschäftsführer einer Erzeugergemeinschaft für Geflügelzucht hat nach eigenem Bekunden erst einen kleinen Teil seiner Eingewöhnungsphase geschafft. "Erleichtert wird diese durch die Freundlichkeit, Offenheit und Kooperationsbereitschaft der Kolleginnen und Kollegen im Rathaus", lobt Arends seine Mitarbeiter. Und auch die Politik, die Opposition eingeschlossen, habe ihm eine Schonfrist gewährt und sei bislang fair mit ihm umgegangen.
Eine der wichtigen Aufgaben, die angepackt werden müssen, ist die Erarbeitung eines Schulraumnutzungskonzeptes. Das Gymnasium geht voll in die Trägerschaft des Landkreises und an der Kooperativen Gesamtschule muss ein Gymnasialzweig aufgebaut werden. Die Dorferneuerung in Veldhausen ist gestartet. Zudem laufen die Vorbereitungen, das Regenwassernetz an den WAZ zu verkaufen. Was macht man mit dem Geld? Die Antwort von Johann Arends ist klar: "Dieses Geld soll zur Schuldentilgung verwendet werden."