,Macht bedeutet für mich Verantwortung"
Artikel der Grafschafter Nachrichten vom 27.12.2001
Von Ellen Meyer
Neuenhaus. Brenner investiert jeden Tag mindestens vier bis sechs Stunden in ihren ehrenamtlichen Job, erhält dafür aber nur eine Aufwandsentschädigung. ,Im Jahr 2002 werde ich bei 200 Jubiläen gratulieren. Dazu gehören neben vielen Geburtstagen auch mehrere Goldene und eine Eiserne Hochzeit. Das ist für mich die Seele meiner Arbeit, die Ratssitzungen sind das Handwerkszeug", sagt sie.
Ihr Terminkalender ist vollgepackt. Zu einem Adventswochenende gehören Geburtstagsvisiten, die Begleitung des Nikolauszuges und der Besuch des Brauchtumstages. Tägliche Ratssitzungen folgen in der Woche vor Weihnachten. Ein eigenes Auto besitzt sie nicht.
,Ich erradle mir die Termine. Das hält fit", meint Brenner und lacht. Ohne Handy, aber mit dem Mut zum direkten Gespräch will sie die Menschen in Neuenhaus gewinnen. ,Ich komme aus der Rhein-Neckar-Region. Seit 15 Jahren lebe ich in Neuenhaus. Mich beeindruckt die Bodenständigkeit der Grafschafter. Die Menschen hier sind stark mit ihrer Heimat verwurzelt", meint Brenner.
Immer wieder stelle sie sich die Frage: ,Was kann ich für die Menschen tun?" Hierin sieht sie den Schwerpunkt ihrer Arbeit. ,Gerade in der Kommunalpolitik muss es darum gehen, sich nach den Bedürfnissen der Menschen zu richten. Demokratie bedeutet Macht des Volkes. Für mich bedeutet Macht zugleich aber auch Verantwortung zu tragen. Reiner Protest ist unsinnig. Ich muss politisch aktiv werden, um etwas zu verändern", sagt die Mutter von zwei Kindern.
Bevor sie sich für CDU bei den Stadtratswahlen aufstellen ließ, engagierte sich Brenner in zahlreichen Initiativen, die jeweils in ihre momentanen Lebensumstände passten. ,Ich muss Ehrenamt und Familie miteinander verbinden", berichtet sie.
So reichen ihre Aktivitäten vom Aufbau einer Stillgruppe über die Kommunion- und Firmvorbereitungskurse bis zu der Unterstützung einer Kindergartengruppe. ,Frauen beobachten aufmerksamer und handeln schneller. Männer sind oftmals materieller eingestellt", meint Brenner, die die Dinge geradeheraus ansprechen und dadurch frischen Wind in die Kommunalpolitik bringen will. ,Mit 39 Jahren bin ich die Jüngste in der Frauenunion. Ich suche jüngerer Aktive", erläutert sie ihre politischen Wünsche.
Unterstützung findet Brenner bei ihren älteren Mitstreiterinnen. ,Wir halten zusammen. Freundschaftlich fühle ich mich mit Maria Köttering, unserer stellvertretenden ehrenamtlichen Landrätin, verbunden. Wir helfen uns mit kleinen Tipps am Rande", sagt die Neuenhauserin.
Bei der Doppelbelastung zwischen Familie und öffentlichem Amt bleibt für Charlotte Brenner kaum noch Zeit übrig, um sich auf sich selber zu besinnen. Sie vertritt die Grafschafter Frauen auf bundesweiten Parteitagen oder streitet in Hannover für die Interessen ihrer Wähler. ,Aber einmal die Woche nehme ich Urlaub vom meinen Verpflichtungen, indem ich Yoga praktiziere", erzählt Brenner über ihren kleinen privaten Freiraum. Nur wer sich selbst verschenke, werde reicher. Diese Erkenntnis hat Brenner zu ihrem Lebensmotto gemacht.